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Ein Denkmal für Lady Di

London - Im Hyde Park in
London hat Königin Elizabeth II. einen Brunnen zum Gedenken
an Prinzessin Diana eingeweiht,
in dem Kinder plantschen und an dem Erwachsene Ruhe finden
können. Die Sonne
spiegelte sich in den Wassern des „Serpentine“, wie der
künstliche See im Hydepark genannt wird, das Gras leuchte in
strahlendem Grün, und nur eine leichte Brise wehte. Die
Tausende von Schaulustigen, die sich schon seit dem frühen
Morgen um die besten Plätze stritten, mussten sich noch ein
paar Minuten gedulden, bevor die Zeremonie anfing, die Queen
war spät dran. Kamerateams aus aller
Welt und mehrere tausend Fans halfen den Windsors und den
Spencers dabei, sich an diesem schwierigen Tag locker zu
geben. Hofknickse, höfliche Verbeugungen, Küsse und Umarmungen
bestimmten das Familientreffen.
Mit der Einweihung wird
- so hoffen die Engländer - ein langjähriger Streit um Form, Standort und Inhalt eines
Denkmals für Diana beendet.
Die Königin bezeichnete ihre frühere Schwiegertochter dabei
als eine außergewöhnliche und bemerkenswerte Person, die das
Leben vieler Menschen verändert habe. Bei der Feier am Dienstag im Londoner
Hyde Park räumte die Queen auch ein, dass das Verhältnis zu
ihrer Schwiegertochter nicht immer einfach gewesen sei. Natürlich gab es
Schwierigkeiten. Aber Erinnerungen werden im Laufe der Zeit
milder, sagte die Queen.
Dianas Tod habe die Welt erschüttert, erklärte die
Königin. Dies liege vor allem an dem "außerordentlichen
Einfluss", den Diana auf die Menschen in ihrer Umgebung gehabt
habe. "Ihre Fähigkeit, mit denen zu fühlen, die in
Schwierigkeiten, Not und Bedrängnis sind, ihre Bereitschaft,
sich einer neuen Sache anzunehmen, ihre Art, alle zu schätzen,
die sie traf, erlaubten es ihr nicht nur, das Leben der
Menschen zu berühren, sondern sie auch zu ändern."
"Natürlich gab es auch schwierige Zeiten", sagte Elizabeth
weiter. Aber sie erinnere sich auch daran, "wie viel Freude
sie meinen Enkeln gab", sagte die Queen mit Bezug auf die
Prinzen William und Harry, die Söhne Dianas aus ihrer Ehe mit
Prinz Charles.
Ihre Worte wurden als der Versuch gewertet, die Königsfamilie
nach Jahren der Spannung wieder mit der Familie Dianas zu
versöhnen.
Für die Queen, so meinte die
«Daily Mail» war es die «schwierigste Rede» ihres Lebens. Mit
dem, was sie sage oder weglasse, könne sie die gar die
künftige Richtung der Monarchie bestimmen. Auch die BBC sprach
von einem «schwierigen» Auftritt. Immerhin war die Königin von
der Boulevardpresse gedrängt worden war, in Zusammenhang mit
Diana das Wort «Liebe» in den Mund zu nehmen. Dazu konnte sie
sich am Dienstag aber nicht durchringen. «Die Queen zeigte
sich so herzlich und emotional, wie sie es eben kann»,
kommentierte Diana-Biografin Ingrid Seward. «Die beiden
Familien waren höflich zueinander. Aber ihre Versöhnung war
nur kosmetisch.»
Außer Thronfolger Prinz
Charles und den beiden gemeinsamen Söhnen William und Harry
nahmen Dianas Bruder, Graf Spencer, und weitere Angehörige der
Familie Spencer an der kurzen Feier teil. Es war das erste Mal
seit der Trauerfeier für Diana im September 1997, dass die
beiden Familien in der Öffentlichkeit zusammen gesehen wurden.
Somit hoffen die Briten
jetzt, dass der Streit zwischen den beiden Adelshäusern
begraben ist. Dianas Bruder hatte vor sieben Jahren in seiner
Trauerrede die Kälte des Königshauses kritisiert. Die Queen
besuchte nie das Grab ihrer Schwiegertochter, und auch
Thronfolger Charles war seit der Beerdigung nie mehr dort. Der
Zwist scheint nun beigelegt, wohl nicht zuletzt um der Prinzen
William und Harry wegen.
Damals hatte Dianas Bruder Earl Spencer der königlichen
Familie Vorhaltungen gemacht, wie sie seine Schwester
behandelt habe. Dianas Bruder Charles
reichte am Dienstag einem sichtbar nervösen Prinz Charles die
Hand. Herzliche und unbeschwerte Begegnungen aber blieben der
jungen Generation vorbehalten. Die Prinzen William und Harry
küssten überschwänglich ihre Tanten und Kusinen und
schüttelten die Hände der zahlreichen Fans. Sie waren, ohne
Zweifel, die «Stars» der Veranstaltung.
Bevor sie
mit ihrem Bentley in den Buckingham-Palast zurückfuhr, machte
die Queen einen Rundgang um den Brunnen, der nun eine
bleibende Erinnerung an Diana, die «Prinzessin des Volkes»,
sein wird. Der monumentale ovale Steinring, durch den das
Wasser mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, einmal ruhig,
einmal temperamentvoll fließt, soll nach dem Willen seiner
Erschafferin, der US-Architektin Katryn Gustafson, ein
«fröhliches Denkmal für eine wunderbare Frau» sein.
Der ovale Brunnen aus Granit vom Ausmaß eines Fußballfeldes
soll nach den Worten seiner Architektin, Kinder und Erwachsene zum Verweilen und zum
Spielen anregen. Der Brunnen
ist aus Granit, 80 Meter lang und 46 Meter
breit, der sich den leicht abfallenden Konturen des Geländes
anschmiegt. Wasser wird zum höchsten Punkt des Denkmals
gepumpt und strömt dann auf zwei Seiten in jeweils
unterschiedlichen Geschwindigkeiten hin zu einem Becken. Die
Landschaftsarchitektin Kathryn Gustafson sieht in ihrem Design
den Charakter der Prinzessin gespiegelt. „Der Brunnen
repräsentiert Diana. Es gibt lustige Dinge in dem Wasserfluss,
der zugleich turbulent und wirbelig ist, aber auch ruhig und
spielerisch sein kann. Nicht alle Briten sind über den Brunnen
begeistert. Dianas Mutter, die kürzlich verstorbene Frances
Shand Kydd, beklagte einen „Mangel an Größe“, während einige
Boulevardblätter das Denkmal als „Planschbecken“ oder
„Abwasserkanal“ abtaten. 5,7 Millionen Euro hat es gekostet,
und viele meinen, dass das Geld besser in den Bau einer
Kinderklinik investiert gewesen wäre. Der Architekturkritiker
Giles Worsley dagegen lobte das Design.
Der 49-jährige John Loughery, der im Park übernachtet
hatte, um einen besonders guten Blick bei der Einweihung zu
haben, meinte hingegen, die Menschen würden es mit der Zeit
lieben lernen. Eine deutsche Touristen war sogar sofort
erfreut. Es sei sehr schlicht und zeige Dianas Leben mit
seinen Höhen und Tiefen.
Als die Ehrengäste wieder in ihre
Staatskarossen stiegen, nahm das Volk von seinem Denkmal
Besitz. Angeführt von der kleinen Domenica. Mit einem
herzhaften Sprung hüpft das Kind ins knietiefe Wasser - und
hatte seinen Spaß. So hätte sie es gewollt, die Prinzessin von
Wales. Dass ausgerechnet die kleine
Domenica, Dianas Patenkind und mit dem Down-Syndrom geborene
Tochter der engsten Freundin Rosa Monckton, den wahren Zweck
dieses ungewöhnlichen Wasserspiels als erste erfasste, passte
perfekt zum Protokoll eines Tages, der als Versöhnungsgipfel
in die königliche Geschichte eingehen könnte. Sieben Jahre
hatte man gestritten um eine angemessene Gedenkstätte für eine
Frau, die längst zum Mythos geworden ist. Am Ende verzichtete
man auf erhabenen Pomp und entschied sich für einen Brunnen.
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